Start 24h Finka
Ein Tag auf der Finka …

6.00 Uhr:
Waaaaaas ?? Schon 6 Uhr?? Mein mich terrorisierender Hahn kräht aus Leibes Kräften in den neuen Tag hinein. Jetzt ist jede Minute kostbar. Noch ein wenig schlafen ... bitte! Ich erkenne durch mein eines, nur wenig geöffnetes Auge 6 Hundeaugen, die begierig darauf warten auch nur die kleinste meiner Bewegungen
als Zeichen zum aufstehen deuten zu können. Außerdem Claudia auf der Couch, die den Hahn nicht einmal hören würde wenn sie neben ihm auf dem Misthaufen schlafen würde.



7.30 Uhr:
Aus ist es mit der heiligen Ruhe. Zwei Hundekinder, die gestern noch zum Tode verurteilt im Zwinger der Tötungsstation dahin siechten, spielen ausgelassen mit meinem letzten Paar Schuhe. Das habe ich jetzt davon … An Kaffee ist erst zu denken, wenn ich mich bis zur Küche durchgeschlagen habe. Auf meinem Weg begegnen mir lustige braune Haufen und gelb schimmernde Pfützen, die weggeputzt werden möchten bevor jeder Hund mal hinein getreten ist. Leider kann ich Hunde, bevor ich sie aufnehme, nicht fragen ob sie stubenrein sind oder ob ihre Blasen und Nieren noch auf dem neuesten Stand sind. Ich wecke Claudia, beauftrage sie einen Kaffee zu machen und erhoffe mir dadurch eine kleine Zeitersparnis.

9.00 Uhr:
Weiter geht’s mit den Freiläufen. Wasser holen. Das ist wie im Mittelalter oder in Afrika. Ich schnappe mir 2 Eimer und rase los zum Gebirgsbach. Glücklicherweise haben kluge Menschen ein Auffangbecken gebaut, leider ist es nicht groß, doch füllt sich im Winter recht zügig. Der Weg bergauf zu den Hunden und
Schweinen ist mehr als beschwerlich. Die Schweine teilen ihr Gehege mit ein paar Enten, Gänsen und der Hühnerfamilie, dessen Oberhaupt mein aggressiver Kampfhahn ist. Dieser hat zum Dank nichts Besseres zu tun als mich bei betreten des Geheges zu attackieren und ich nur noch mit Begleitschutz oder einem Besen
bewaffnet füttern kann.

11.00 Uhr:
Endlich geschafft. Alle gefüttert und Finka geputzt. Jetzt heißt es Hunde einsammeln und durchzählen. Während ich die Hunde in Freilauf, Finka und Auto sortiere, versucht Claudi per Handy 2 Gasflaschen für die Heizöfen reservieren zu lassen, denn pünktlich kommt man von der Finka nie weg. Auf dem Tagesplan steht Benzin für Generator, Hunde-Katzen- und Schweinefutter kaufen, Friedhofskatzen füttern, Pferd und Esel mit Heu versorgen.



12.00 Uhr:
Tatsächlich! Da kommt Claudi mit Sparky unter dem Arm den Berg hinunter gezirkelt. Der kleine Terriermix hatte wohl zu morgendlicher Stunde eine Bergziege erspäht und ihre Verfolgung aufgenommen. Bei so vielen Hunden ist es nicht immer möglich alle gleichzeitig zu hüten, deswegen hat sich das Durchzählen bewährt. Endlich können wir unsere Tour starten. Erstes Ziel: Gasflaschen.

15.00 Uhr:
Polter, polter, schüttel ... PENG!!! „Irgendetwas ist abgefallen“ schreit Claudi. Das Auto hört sich an wie eine Dampflok. Wir halten am Randstreifen und stellen mit entsetzen fest, dass der Auspuff nur noch halblebig am Auto hängt. Super, bis jetzt lief alles heute mehr oder weniger glatt und jetzt Das! Ok, die nächste Werkstatt ist nicht weit. Wir sind mal wieder die Attraktion. Ein kleines, rotes Auto, dass sich anhört wie ein Traktor, die menschlichen Insassen so rot wie das Auto und 2 Hunde, die hinter 2 Gasflaschen und dem Futter die Ohren raus strecken.

16.30 Uhr:
Das Handy klingelt. Claudi versucht mit Händen und Füßen einen guten Preis für das Anschweißen des Auspuffs auszuhandeln. Am Apparat ein älterer Herr:“ ... Frau Kübler, sie schickt der Himmel. Ein bekannter gab mir ihre Nummer. Kommen sie schnel l…“ … stille …“ein Hund, hängt fest …Cala Ratjada ... wir treffen uns an der Playa … bis gleich“… tututut. Na danke schön. Also gut. Uns erwartet ein netter Mann, der beim Spazieren gehen einen Hund im Gebüsch entdeckte und sah, dass der kleine arme Kerl an einem Stück Draht fest hängt. Beim Versuch den Hund zu befreien, biss dieser ihm, aus Furcht, in die Hand. Claudi und ich sind ein eingespieltes Team. Kurzerhand ist der Hund befreit. Die Frage: Was nun? stellt sich auf Mallorca nicht. Hund mitnehmen, aufpäppeln und eine Pflegestelle suchen, denn der jüngste ist „Manni“ nicht mehr. Wir haben ihn nach seinem Finder benannt.

18.00 Uhr:
Endlich wieder auf der Finka angekommen. Ein Wunder wenn man in der Dämmerung den Weg ohne Sturz vom Auto zur Tür schafft. Die Hunde toben und springen um uns herum. Nun geht das Spielchen von vorne los. Wir besprechen den zeitlichen Ablauf, denn der benzinbetriebene Generator läuft nur ein paar Stunden. Putzen, Füttern und unser Essen kochen ist der Plan. „Manni“, unser Findling, sitzt auf dem Stuhl und überblickt zufrieden unser Gewirbel mit Besen, Töpfen und Schüsseln. Eine Traube von Hunden hat sich um „Mannis“ Stuhl gebildet. Neugierige Hundenasen beschnuppern ihn von allen Seiten.

22.00 Uhr:
Die Grillen zirpen, eine trügerische Erinnerung daran, dass das monotone Knattern des Generators endgültig verstummt ist. Jetzt heißt es Taschenlampe und Kerzen an. Dieser Ereignisreiche Tag geht zu Ende. Mit dem Krähen meines Terrorhahns startet morgen der neue Kampf um die Wegwerftiere dieser Insel.






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